Saison-Schluss-Interview mit Kari E. in der ON
Verfasst: 1. Apr 2004 11:18
Kari Eloranta: «Der SCRJ war diese Saison ein wenig wie Simon Ammann»
Knapp eine Woche ist seit dem letzten Saisonspiel des SC Rapperswil-Jona vergangen. Zeit also, um mit Trainer Kari Eloranta Bilanz zu ziehen und auf die neue Saison zu schauen. Die ON sprachen mit dem Finnen kurz vor seiner Abreise Richtung Heimat.
Obersee Nachrichten: Kari Eloranta, wie schauts in Ihnen aus nach dieser doch etwas verpatzten Saison?
Kari Eloranta: Natürlich bin ich enttäuscht, dass wir es nicht in die Playoffs geschafft haben. Aber man muss auch das Positive sehen. Wir haben das kleinste Budget der NLA und haben trotzdem drei andere Teams hinter uns gelassen. Zudem haben wir diese Saison vier Nachwuchsspieler integriert.
Es fällt generell auf, dass Sie auch nach Niederlagen immer etwas finden, was lobenswert und positiv ist.
Kari Eloranta: Das ist meine Philosophie. Wir hatten diese Saison inklusive Vorbereitung 68 Spiele. Wenn man die ganze Zeit nur über Negatives spricht, kann einem das Eishockey schnell zu viel werden. Natürlich gehört die Enttäuschung nach einer Niederlage dazu. Danach sollte man aber rasch wieder positiv denken, sonst wird die Saison sehr lang.
Ungewöhnlich war in der abgelaufenen Saison, dass die fast schon traditionelle Frühform ausblieb.
Kari Eloranta: Die Inkonstanz war wirklich merkwürdig. Aber wir haben nun einmal nicht so viele Leistungsträger, die zu einer hohen Konstanz beitragen können. Zudem waren unsere Leistungsträger nie gleichzeitig in Topform. Andererseits muss man sehen, dass alle Teams um Platz acht herum inkonstant waren. Ich habe mit Interesse die Saison von Skispringer Simon Ammann mitverfolgt. Auch bei ihm sieht man, dass er zwar das Zeug hat, um vorne dabei zu sein, aber die Erfahrung für das Toplevel fehlt ihm noch.
Wieviel machte die verletzungsbedingte Abwesenheit von Dale McTavish aus?
Kari Eloranta: Dale hatte in der Vorbereitung sehr gut mit Stacy Roest harmoniert. Natürlich war sein Ersatz Dixon Ward ebenfalls stark. Aber Dale ist ein Puncher, er kann das Team mitziehen, wenn es einmal nicht läuft. In einigen Spielen hätte er uns sicher weiterhelfen können.
Ein Unterschied war diese Saison gegen die führenden Teams der Liga auszumachen: Gegen Lugano oder Bern war kaum mehr etwas zu holen, im Gegensatz zur vergangenen Saison, als die Spiele immer eng umkämpft blieben.
Kari Eloranta: Diese Mannschaften sind im letzten Jahr besser geworden, während wir auf demselben Niveau geblieben sind. Schwerer wiegte diese Saison jedoch, dass wir gegen unsere direkten Konkurrenten mehr Mühe bekundeten. So waren die beiden Heimniederlagen gegen Lausanne mit 2:4 und 1:3 absolut unnötig.
Worin sehen Sie die Gründe für diese Niederlagen?
Kari Eloranta: In all den Spielen hatten wir viele gute Chancen. Aber sobald wir das Spiel machen mussten, wurden wir zu offensiv. Uns fehlte dann die Disziplin. Eigentlich wollten wir jeweils in Führung gehen, um nachher den Gegner auszukontern. Oft liefen die Spiele dann aber genau umgekehrt. Aber bei den Siegen gegen Genf (7:1) und die ZSC Lions (6:1) zeigten wir, was möglich ist, wenn das System funktioniert.
Für den Kader 2004/05 fehlen noch zwei Ausländer sowie der neue Assistenztrainer. Aber die Zeichen scheinen gut zu stehen.
Kari Eloranta: Ja, ich bin sehr zufrieden mit der Wahl. Wir wollen aber noch nichts bekanntgeben, so lange die Spieler mit ihren Klubs in der Meisterschaft engagiert sind. Die Verhandlungen mit dem Assistenztrainer sind weit fortgeschritten, es fehlt eigentlich nur noch die Unterschrift.
Und wie lautet Ihr Kommentar zu den anderen Zuzügen?
Kari Eloranta: Michael Tobler ist ein junger, talentierter Torhüter. Marco Streit ist schon ein wenig erfahrener, die beiden werden sich einen guten Zweikampf liefern. Mit Marco Bayer haben wir einen erfahrenen Verteidiger verpflichtet, der auch im Powerplay gefährlich ist. Marc Weber ist ein Kämpfer und ein Leader, der einen Block führen kann. Von Deny Bärtschi erhoffe ich mir eine ähnliche Entwicklung, wie sie Sébastien Reuille gemacht hat. Schliesslich kam auch dieser aus der Schule von Wladimir Jursinow.
Wie schauts sonst mit dem Kader aus?
Kari Eloranta: Im letzten Jahr haben mich Patrick Berchtold und Thomas Walser mit ihren Fortschritten überrascht. Der Umbruch im Team tut nun allen gut. Nichts gegen jene, die uns verlassen; aber wir brauchen unbedingt wieder neue Gesichter in der Garderobe!
Wie muss man das verstehen?
Kari Eloranta: Meiner Meinung nach sollte ein Spieler zwei bis vier Jahre unter demselben Trainer spielen und dann den Klub wechseln. Mit der Zeit stellt man sich aufeinander ein und kommt nicht mehr gleich schnell voran. Ein Spieler sollte viele verschiedene Philosophien kennen lernen. Darum ist es auch für einen kleinen Klub wie den SCRJ wichtig, dass er Spieler wechselt, wenn die Möglichkeiten dazu bestehen.
Ist dabei das Risiko eines Fehlgriffes nicht gross?
Kari Eloranta: Das ist genau das Dilemma. Ein kleiner Verein muss immer Volltreffer landen und viel exakter planen. Wir können es uns nicht leisten, an Weihnachten Spieler zu entlassen und andere zu holen.
Letzte Frage: Wer wird Schweizer Meister?
Kari Eloranta: Am 13. Dezember spielten wir gegen Lugano. Nach dem Spiel habe ich in mein Notizbuch geschrieben: «Heute haben wir gegen den neuen Schweizer Meister verloren.» Dasselbe habe ich schon letztes Jahr vor dem Halbfinale über Lugano gesagt und es ist eingetroffen.
Knapp eine Woche ist seit dem letzten Saisonspiel des SC Rapperswil-Jona vergangen. Zeit also, um mit Trainer Kari Eloranta Bilanz zu ziehen und auf die neue Saison zu schauen. Die ON sprachen mit dem Finnen kurz vor seiner Abreise Richtung Heimat.
Obersee Nachrichten: Kari Eloranta, wie schauts in Ihnen aus nach dieser doch etwas verpatzten Saison?
Kari Eloranta: Natürlich bin ich enttäuscht, dass wir es nicht in die Playoffs geschafft haben. Aber man muss auch das Positive sehen. Wir haben das kleinste Budget der NLA und haben trotzdem drei andere Teams hinter uns gelassen. Zudem haben wir diese Saison vier Nachwuchsspieler integriert.
Es fällt generell auf, dass Sie auch nach Niederlagen immer etwas finden, was lobenswert und positiv ist.
Kari Eloranta: Das ist meine Philosophie. Wir hatten diese Saison inklusive Vorbereitung 68 Spiele. Wenn man die ganze Zeit nur über Negatives spricht, kann einem das Eishockey schnell zu viel werden. Natürlich gehört die Enttäuschung nach einer Niederlage dazu. Danach sollte man aber rasch wieder positiv denken, sonst wird die Saison sehr lang.
Ungewöhnlich war in der abgelaufenen Saison, dass die fast schon traditionelle Frühform ausblieb.
Kari Eloranta: Die Inkonstanz war wirklich merkwürdig. Aber wir haben nun einmal nicht so viele Leistungsträger, die zu einer hohen Konstanz beitragen können. Zudem waren unsere Leistungsträger nie gleichzeitig in Topform. Andererseits muss man sehen, dass alle Teams um Platz acht herum inkonstant waren. Ich habe mit Interesse die Saison von Skispringer Simon Ammann mitverfolgt. Auch bei ihm sieht man, dass er zwar das Zeug hat, um vorne dabei zu sein, aber die Erfahrung für das Toplevel fehlt ihm noch.
Wieviel machte die verletzungsbedingte Abwesenheit von Dale McTavish aus?
Kari Eloranta: Dale hatte in der Vorbereitung sehr gut mit Stacy Roest harmoniert. Natürlich war sein Ersatz Dixon Ward ebenfalls stark. Aber Dale ist ein Puncher, er kann das Team mitziehen, wenn es einmal nicht läuft. In einigen Spielen hätte er uns sicher weiterhelfen können.
Ein Unterschied war diese Saison gegen die führenden Teams der Liga auszumachen: Gegen Lugano oder Bern war kaum mehr etwas zu holen, im Gegensatz zur vergangenen Saison, als die Spiele immer eng umkämpft blieben.
Kari Eloranta: Diese Mannschaften sind im letzten Jahr besser geworden, während wir auf demselben Niveau geblieben sind. Schwerer wiegte diese Saison jedoch, dass wir gegen unsere direkten Konkurrenten mehr Mühe bekundeten. So waren die beiden Heimniederlagen gegen Lausanne mit 2:4 und 1:3 absolut unnötig.
Worin sehen Sie die Gründe für diese Niederlagen?
Kari Eloranta: In all den Spielen hatten wir viele gute Chancen. Aber sobald wir das Spiel machen mussten, wurden wir zu offensiv. Uns fehlte dann die Disziplin. Eigentlich wollten wir jeweils in Führung gehen, um nachher den Gegner auszukontern. Oft liefen die Spiele dann aber genau umgekehrt. Aber bei den Siegen gegen Genf (7:1) und die ZSC Lions (6:1) zeigten wir, was möglich ist, wenn das System funktioniert.
Für den Kader 2004/05 fehlen noch zwei Ausländer sowie der neue Assistenztrainer. Aber die Zeichen scheinen gut zu stehen.
Kari Eloranta: Ja, ich bin sehr zufrieden mit der Wahl. Wir wollen aber noch nichts bekanntgeben, so lange die Spieler mit ihren Klubs in der Meisterschaft engagiert sind. Die Verhandlungen mit dem Assistenztrainer sind weit fortgeschritten, es fehlt eigentlich nur noch die Unterschrift.
Und wie lautet Ihr Kommentar zu den anderen Zuzügen?
Kari Eloranta: Michael Tobler ist ein junger, talentierter Torhüter. Marco Streit ist schon ein wenig erfahrener, die beiden werden sich einen guten Zweikampf liefern. Mit Marco Bayer haben wir einen erfahrenen Verteidiger verpflichtet, der auch im Powerplay gefährlich ist. Marc Weber ist ein Kämpfer und ein Leader, der einen Block führen kann. Von Deny Bärtschi erhoffe ich mir eine ähnliche Entwicklung, wie sie Sébastien Reuille gemacht hat. Schliesslich kam auch dieser aus der Schule von Wladimir Jursinow.
Wie schauts sonst mit dem Kader aus?
Kari Eloranta: Im letzten Jahr haben mich Patrick Berchtold und Thomas Walser mit ihren Fortschritten überrascht. Der Umbruch im Team tut nun allen gut. Nichts gegen jene, die uns verlassen; aber wir brauchen unbedingt wieder neue Gesichter in der Garderobe!
Wie muss man das verstehen?
Kari Eloranta: Meiner Meinung nach sollte ein Spieler zwei bis vier Jahre unter demselben Trainer spielen und dann den Klub wechseln. Mit der Zeit stellt man sich aufeinander ein und kommt nicht mehr gleich schnell voran. Ein Spieler sollte viele verschiedene Philosophien kennen lernen. Darum ist es auch für einen kleinen Klub wie den SCRJ wichtig, dass er Spieler wechselt, wenn die Möglichkeiten dazu bestehen.
Ist dabei das Risiko eines Fehlgriffes nicht gross?
Kari Eloranta: Das ist genau das Dilemma. Ein kleiner Verein muss immer Volltreffer landen und viel exakter planen. Wir können es uns nicht leisten, an Weihnachten Spieler zu entlassen und andere zu holen.
Letzte Frage: Wer wird Schweizer Meister?
Kari Eloranta: Am 13. Dezember spielten wir gegen Lugano. Nach dem Spiel habe ich in mein Notizbuch geschrieben: «Heute haben wir gegen den neuen Schweizer Meister verloren.» Dasselbe habe ich schon letztes Jahr vor dem Halbfinale über Lugano gesagt und es ist eingetroffen.